Ein anderer Ort, eine andere Zeit – und dennoch sind sich die Unternehmen, die sich im September 2007 zur POCO-Domäne-Holding zusammengeschlossen haben, in ihrer Entstehungsgeschichte nicht unähnlich. Beste Qualität zu günstigsten Preisen bei Verzicht auf überflüssige Dekorationen – es sind sowohl im westfälischen Bergkamen (bzw. Ahlen) als auch im südniedersächsischen Harste Kaufleute, die das Discountprinzip zum Leitbild ihrer Geschäftsideen machen; und mit ihren Möbelmärkten zunächst den regionalen Markt erobern. 1972 gründen Karl-Heinz Rehkopf und Rainer Wunderlich auf einem Bauernhof die Teppich-Domäne Harste (Domäne = staatlicher Bauernhof), um dort Teppichfliesen anzubieten. Mit wachsendem Erfolg kommt es zu einer Verbreiterung des Sortiments. Mitte der 80er Jahre werden in 14 Filialen nicht nur Teppichböden, sondern auch Tapeten, Farben, Gardinen, Möbel und Haushaltswaren verkauft. 1986 spaltet sich das Unternehmen auf. Rehkopf führt die Teppichdomäne Harste (heute Tedox) weiter, während Rainer Wunderlich unter dem Einfluss des neuen Geschäftsführers Helmut Reitz mit neuem Namen und veränderter Konzeption an den Markt geht: als Domäne-Einrichtungsmärkte. Zu dieser Zeit hat der gelernte Einzelhandelskaufmann Peter Pohlmann ebenfalls Erfahrungen in der Möbelbranche gesammelt. 1989 gründet er POCO, das Kürzel für Pohlmann & Co. Der erste Markt wird in Ahlen eröffnet. Das Motto: „Schönes Wohnen für weniger Geld“. Unter diesem Leitsatz startet POCO seinen Siegeszug vom zentral gelegenen Stammsitz in Bergkamen aus zunächst im Ballungsraum Ruhrgebiet und dann in ganz Nordrhein-Westfalen.
Die 90er Jahre stehen für die POCO und Domäne-Einrichtungsmärkte ganz im Zeichen des rasanten Wachstums, während das Geschäft mit dem Einrichten hierzulande ansonsten stagniert beziehungsweise sogar rückläufig ist. So vermeldet POCO regelmäßig zweistellige Wachstumsraten. Ein Beispiel: Im Jahr 1999 – also zehn Jahre nach der Unternehmensgründung von POCO – liegt der Umsatz bei 271 Millionen DM. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet das eine Steigerung um über 22 Prozent. Das Konzept, konsequent die Discount-Strategie zu verfolgen, geht voll auf. Noch ist POCO ausschließlich in Nordrhein-Westfalen zu finden. Die Domäne Einrichtungsmärkte dagegen haben die Wendejahre ab 1989 zu einer raschen Expansion auch in den neuen Bundesländern genutzt. Das Wachstum ist ebenfalls enorm: Bis zum Jahr 2001 entstehen 29 Domäne-Filialen. Im Jahr 1997 ergibt sich eine Änderung der Gesellschafterstruktur: Die langjährigen Geschäftsführer Helmut Reitz und Dr. Hans R. Großkord kaufen sich in das Unternehmen ein.

Schon 2001 leitet POCO eine Zusammenarbeit mit der Domäne Hardegsen ein. Die Domäne zählt zu diesem Zeitpunkt 30 Einrichtungsmärkte vornehmlich im Norden und Osten Deutschlands, POCO unterhält 14 Märkte in Nordrhein-Westfalen, dem bevölkerungsreichsten und wirtschaftsstärksten Bundesland. Die beiden Einrichtungs-Discounter haben unterschiedliche regionale Schwerpunkte gesetzt, verfolgen aber ähnliche Konzepte. Daher vereinbaren sie eine Kooperation im Wareneinkauf, um verstärkt Eigenprodukte zu vermarkten.
Kurz vor Weihnachten 2003 eröffnet mit dem Markt in Hannover das erste POCO-Haus außerhalb Nordrhein-Westfalens. Der Andrang ist so groß, dass der Markt wegen Überfüllung kurzzeitig geschlossen werden muss. Auch außerhalb Deutschlands ist Peter Pohlmann alles andere als untätig. 2002 leitet er über die POCO International Holding eine Auslands-Investition in Südafrika in die Wege. Zuerst steigt die Holding beim Möbel-Einzelhändler Relyant Ltd., Johannesburg, ein. 2004 erwirbt POCO International einen Anteil von 20,5 Prozent an Ellerine Holdings und gliedert RELYANT in das Unternehmen ein. 2005 übernimmt POCO International den Schweizer Möbel- und Teppichboden-Discounter LIPO, der im Nachbarland 14 Filialen führt. Zu diesem Zeitpunkt hat Peter Pohlmann das operative Geschäft in der Service AG an Thomas Stolletz und Jürgen Wiederhold übergeben. Als geschäftsführender Gesellschafter der Holding ist er nach wie vor tätig.
Im gleichen Jahr (2005) erwirbt die Lutz-Gruppe die Mehrheit an der Domäne Hardegsen von den Erben des verstorbenen Firmengründers Rainer Wunderlich.
Das Jahr 2007 ist eine entscheidende Wegmarke in der Entwicklung von POCO. Bis zum Mai verkauft die POCO International Holding ihre Anteile am mittlerweile erfolgreich sanierten südafrikanischen Möbelriesen Ellerine Holdings, um sich auf die Expansion der eigenen Marke in Europa zu konzentrieren. Im Herbst des Jahres glückt POCO diesbezüglich mit dem Zusammenschluss von 34 Möbelmärkten der Marke Domäne und 25 Häusern der Marke Möbelix, die zuvor ebenfalls zur österreichischen Lutz-Gruppe gehörten, ein Quantensprung. Rund 5000 Menschen sind nun für die unter POCO-Domäne-Holding umfirmierte Gruppe tätig und erwirtschaften einen Umsatz von 800 Millionen Euro. Durch die Eingliederung der neuen Möbelhäuser ist der POCO-Verbund in ganz Deutschland flächendeckend vertreten. Während Möbelix im Süden Deutschlands, in Bayern und Baden-Württemberg, vertreten ist, hatte die Domäne ein flächendeckendes Netz von Märkten im Norden sowie in Berlin und den neuen Bundesländern aufgebaut.
Es gilt nun, das Beste von POCO, Domäne und Möbelix zu einem funktionierenden Gesamtunternehmen zusammenzuführen: Mitarbeiter werden geschult, Gebäude renoviert und neu geplant, die Sortimente aufeinander abgestimmt. Im Oktober wird erstmals ein gemeinsamer Katalog aufgelegt. Die Auflage: 14 Millionen. Zum Jahreswechsel 2008/2009 passt sich die Zusammensetzung der Geschäftsführung den geänderten Strukturen an. Thomas Stolletz für den Einkauf/Vertrieb in Bergkamen und Dr. Hans-Ralf Großkord für die Verwaltung in Hardegsen leiten die Geschicke der POCO-Domäne-Holding GmbH.
POCO-Domäne hat sich trotz des immensen Wachstums einen familiären Charakter bewahrt, sich zugleich aber den veränderten Anforderungen angepasst: Sie ist eine national tätige Unternehmensgruppe, die den Menschen an den Standorten verpflichtet ist und sich zugleich den Herausforderungen der globalisierten Wirtschaftswelt stellt. Mit der raschen Integration hat sich POCO-Domäne zukunftsfest aufgestellt und den Weg für ein weiteres zielstrebiges und fundiertes Wachstum in Europa geebnet.
Die Neueröffnungen 2009 – Ingolstadt im Mai, Oldenburg im August – zeugen davon. Mit ihnen ist die POCO-Domäne-Gruppe auf (vorerst) 85 Einrichtungsmärkte gewachsen.
Nachdem die Integration der Ursprungsunternehmen in die neue Gruppe erfolgreich abgeschlossen ist, geht POCO-Domäne jetzt wieder auf strammen Expansionskurs. Ende März eröffnete das Unternehmen in Wuppertal seinen bundesweit 86. Einrichtungsmarkt. Die Resonanz war überwältigend - der Ansturm legte zeitweise den Verkehr lahm. Es wurde deutlich: Der zweite POCO-Markt in Wuppertal ist eine eindeutige Bereicherung für das Bergische Land. Und die Expansion geht weiter. Mindestens drei weitere Discount-Einrichtungsmärkte eröffnet die Holding noch im laufenden Jahr. Neue Standorte werden in Arnsberg, Aachen und Monheim (alle Nordrhein-Westfalen) erschlossen. Rund 90 Märkte sprechen damit bald die Kunden in allen Teilen Deutschlands an. Weitere 40 bis 50 zusätzliche Standorte hat das Unternehmen bereits im Blick, die zielstrebig in den nächsten Jahren erschlossen werden sollen. Bis zu acht Märkte sollen ab 2011 jährlich neu ans Netz gehen.
Um seinen Kunden eine bessere Qualität der Produkte und niedrigere Preise zu ermöglichen, eröffnete das Unternehmen bereits zum Jahreswechsel in der chinesischen 14-Millionen-Metropole Hangzhou ein Büro.




